21.9.2026 (ca)
Vor kurzem gab es in der Augsburger Allgemeine Zeitung einen interessanten Überblicksartikel zur Historie des Augsburger Wassersystems unter dem Titel „Von Revolutionen, Ochsenherden und Naturschutz“ (9.9.2026, Ausgabe-Nr. 207, S. 26). Dort kann man kurzweilig folgendes erfahren, dabei mit einem hoffnungsvollen Ausblick:
mehr ...
„Das Wassersystem hat im Stadtwald seine Wurzeln. Man kann dort besondere Gewässer entdecken, was der Stadt einst den Welterbe-Titel einbrachte. Eine Reise in die Vergangenheit. Das historische Augsburger System der Wassertrennung ist auch im Stadtwald, also im Siebentischwald und Haunstetter Wald, erlebbar. Hier fließen sowohl mit Lechwasser gespeiste, trübe Wasserläufe als auch klare Quellbäche. Während der Lochbach mit seinem Lechanstich für das Brauchwasser sorgte, lieferte der Brunnenbach als reiner Quellbach das Trinkwasser für die Freie Reichsstadt. Diese jahrhundertealte Rollenverteilung hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass das Augsburger Wassermanagement-System im Jahr 2019 zum Unesco-Welterbe gekürt wurde. Neben dem Lochbach und dem Brunnenbach findet man weitere besondere Wasserläufe im rund 75 Kilometer langen Gewässernetz des Stadtwaldes, wie den Grenzgraben. Dieser bildete über fünf Jahrhunderte bis 1806 die Grenze zwischen der Freien Reichsstadt und dem Herzogtum bzw. Kurfürstentum Bayern. Der Grenzgraben verläuft entlang eines mittelalterlichen Hochwasserdamms zwischen Haunstetten und dem Hochablass. Dabei unterquert er den Siebenbrunner Bach. Diese Wasserkreuzung heißt Galgenablass und ist nun eines von 22 Welterbe-Objekten. Der Grenzgraben mündete ursprünglich als Lochbach-Überlauf in den Lech, wird jedoch seit 1912 beim Hochablass in den Reichskanal geleitet. Dieser war im Jahr 1848 in der für das Lechtal ungewöhnlichen Ost-West-Richtung angelegt worden. Er fließt südlich des Zoos bei der Wasserkreuzung am Oberen Anger in den Siebenbrunner Bach. Der Name des Reichskanals erinnert an das revolutionär entstandene, jedoch nur kurzzeitig bestehende Deutsche Reich von 1848/49. Der schon länger trockengefallene Ochsenbach war früher neben dem Brunnenbach ein wichtiger Quellbach. Er versorgte beim heutigen Siebenbrunn auch die zahlreichen ungarischen Ochsenherden, die alljährlich zur Fleischversorgung in die Freie Reichsstadt getrieben wurden. Der Name des Zigeunerbachs verwies bis 2021 auf die südosteuropäischen Viehhirten, welche diese Ochsen begleiteten. Wegen des diskriminierenden Begriffs „Zigeuner“ beschloss der Stadtrat die Umbenennung dieses Gewässers in Stempflebach. Damit erinnern jetzt auch der Zu- und Ablauf des Stempflesees an seinen Initiator, den Magistratsrat Gottfried Stempfle. Im Bereich des heutigen Stadtwaldes floss der Lech im frühen Mittelalter ein bis zwei Kilometer weiter westlich und reichte bis an Haunstetten heran. Der Alte Floßgraben verläuft nun entlang des damaligen Flussufers und weist mit seinem Namen darauf hin, dass einst Flöße in Haunstetten anlandeten. Außerdem bildete der Alte Floßgraben bis 1806 die Grenze zwischen dem Herzogtum bzw. Kurfürstentum Bayern und dem Reichsstift St. Ulrich und Afra. Zusammen mit der Freien Reichsstadt Augsburg gehörte somit der heutige Stadtwald im Heiligen Römischen Reich zu drei verschiedenen Herrschaftsgebieten. Davon zeugen noch etliche Grenz- und Quellsteine, die ältesten aus dem Jahr 1505. Der sogenannte Umgehungskanal entstand südlich des Hochablasses nach dem Jahrhunderthochwasser im Juni 1910, bei dem das wichtige Lechwehr zerstört wurde. Nur zehn Wochen vergingen von der Planung bis zur Fertigstellung des 1,8 Kilometer langen und acht Meter breiten Kanals. Neben dem bayerischen Militär stellten Augsburger Betriebe Personal und Gerätschaften für die Baumaßnahme zur Verfügung. Der Umgehungskanal versorgte die vom Hochablass gespeisten Stadtkanäle provisorisch mit Lechwasser, bis das neue, heutige Wehr nach rund eineinhalb Jahren fertiggestellt war. Das in Rekordzeit entstandene Kanalbauwerk wurde später wieder vom Lech abgetrennt und ist mittlerweile ein stehendes Gewässer, nun als Umlaufgraben bezeichnet. Manchmal wird der ehemalige Umgehungskanal noch vom Gießer Überlauf gefüllt. Dieser Graben beförderte früher regelmäßig überschüssiges Wasser aus Quellbächen, auch Gießer genannt, in den Lech. Seit der Flussregulierung im Jahr 1927 sind jedoch die meisten Stadtwald-Quellen versiegt. Der Bayerbach gilt als jüngster Wasserlauf des Stadtwaldes. Er wurde 1954 angelegt, um Lechwasser über den Lochbach in den östlichen Haunstetter Wald zu bringen, wo der Grundwasserspiegel durch die Flussregulierung besonders stark gesunken war. In naher Zukunft wird sich das Stadtwald-Gewässernetz durch die Projekte „Licca Liber“ und „Life“ verändern. Der zwischen dem Mandichosee und dem Hochablass begradigte Lech soll renaturiert und die Stadtwald-Wasserläufe ökologisch aufgewertet werden.“
Bild: Lech oberhalb vom Hochablass Augsburg (Quelle: By MrToga - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=166460408)